Der Ultimative Öl-Thread!

  • Engineering Explained hat ein informatives Video (englischsprachig) zur Entwicklung neuer Motorenöle auf Youtube hochgeladen.
    Partner ist Mobil1/ExxonMobil (um das Annual Protection zu bewerben).
    Man erhält einen netten Einblick in den Gesamtprozess (Marketing, mögliche Additive und insbesondere zu den verschiedenen Testverfahren).


  • Endlich mal ein angenehmes Sprechtempo. Der ist kein Langsamdenker. :lol:

    ExxonMobil hat halt als Nachfolger der ältesten und größten Ölfirma der Welt (Standard Oil Company des Herrn Rockefeller) sehr große Testmöglichkeiten und ein und fast unendliches Werbebudget. Ich glaube einen E30 318i oder 325i sowie einen älteren Mercedes hatten die mal mit Mobil Öl (glaube es war M1 0W40) über sage und schreibe 1 Mio Km getestet. Der Tear down der Motoren ergab keinen messbaren Verschleiß, keine Ablagerungen und zur großen Überraschung aller Dipl-Ingos nahezu Neuzustand aller Teile. Die sehr idealtypischen Laborbedingungen begünstigen solche Ergebisse erheblich, aber man sieht was im Besten Fall möglich ist.


    Was hat sich nun in den letzten 10 bis 15 Jahren verändert, dass das Öl nun ständigen "Weiterentwicklungen" unterzogen wird?

    Meine Vermutung ist die gewollte Obsoleszenz.
    Motoren sollen gar nicht mehr so lange halten wie zu der guten alten Zeit wo "Made in Germany" für sehr gute Qualität stand. 1 Mio KM Motorenhaltbarkeit kosten bei der Produktion zu viel. Da kann man besser billig bauen und mehr Gewinn an die Shareholder verteilen. In Afrika sollen die Autos wohl auch nicht 2 Mio Km und mehr rumfahren.

    Die Entwicklungszyklen verkürzen sich immer weiter und von daher ist es besser, wenn die Motoren früher und öfter mal kaputt gehen. In einer Reportage sagte ein Autohersteller mal, dass es ihre Idealvorstellen ist, wenn so ein Motor nach 100 TKM in alle Teile zerfällt und ein neues Auto gekauft werden muss.

    Den Herstellern genügt es, wenn so ein Motor absolut zuverlässig ohne Schaden aus der Gewährleistung, Garantie, herauskommt und mindestens 100 TKM hält. Um sich nicht selbst den Ruf zu zerstören und abwandernde Kunden hinnehmen zu müssen, halten die meisten Motoren derzeit 200 bis 300 TKm.


    Weitere Maßnahmen, um die Lebensdauer der Motoren jenseits der 200 TKm zu verkürzen sind halt die Verlängerung der Ölwechselintervalle und Freigabe von ungeeignetem Öl, wie BMW es mit dem Castrol 5W30 getan hat.

    W20, W10 und W8 er Öle sind nur ein weiterer Schritt dorthin.

    Maßgeblich sind ja die Erstkäufer der Premiummodelle, also die Leasinggesellschaften, die überwiegend an an Firmenkunden vermieten. Denen ist es völlig egal wie der Motor nach 2 Jahren aussieht oder an wen der BMW in der Zweitverwertung weiter geschoben wird.

    Marketingtechnisch kommunuziert wird das mit der Anforderung die laufenden Flottenkosten und Spritverbrauch zu reduzieren bei gleichzeitig reduzierten Kosten durch verlängerte Wartungsintervalle innerhalb der ersten 2 bis 4 Jahre.

    Hoch lebe die neue Kurzlebigkeit und Wegwerfgesellschaft! :party:


    Nicht ganz vergessen sollte man allerdings, dass fast überall in der Welt ein Tempolimit von ca. 100 bis 120 Km/h gilt. Da muss so ein Öl im maximal zulässigen Bereich nicht so viel leisten können!



    Das Video fasst ganz gut zusammen woraus ein Öl besteht:

    Ein Grundöl, (das im Sinne der Gewinnmaximierung möglichst billig herzustellen ist) und

    bis zu 35 % zusätzliche und sehr teure Additive, die die Eigenschaften des Grundöls verbessern.

    Die Additive verschleißen zuerst und das Gesamtöl fällt mindestens auf die schlechteren Eigenschaften des Grundöls zurück.

    Statt nun ein sehr gutes Grundöl, wie zum Beispiel tendenziell teurere POA Öle, zu nehmen, welches fast ohne zusätzliche und teure VI-Verbesserer (Viskositätsindex-Verbesserer) auskommt, lässt man die VI-Verbesserer einfach ganz weg und behauptet, dass ein W20 Öl in Abstimmung mit dem Motorenhersteller frei gegeben ist und für ein langes Motorleben völlig unbedenklich ist. Wo kein VI drin ist, kann auch kein VI verschleißen und so erhöht sich auf wundersame Weise das Wechselintervall. Und das Gesamtöl ist wegen des geringeren Additivanteils von nun unter 20 % (zu der 20 % Grenze gab es mal ein Gerichtsurteil) auf einmal werbewirksam als vollsythetisches Öl bewerbbar.

    Ein Schelm wer hier böses denkt. :wall:
  • Ich denke, dass das treffend formuliert und auf den Punkt gebracht wurde.
    Ergänzend dazu: Die EU hat vor einigen Jahren festgelegt, dass ein Öl nur dann vollsynthetisch genannt werden darf, wenn dieses zu mindestens 80% aus PAO besteht. Daher musste das M1 0W-40 von SuperSyn auf NewLife umgelabelt werden und durfte sich im europäischen Raum fortan nicht mehr vollsynthetisch schimpfen, weil das nur einen PAO Anteil von 72% aufwies....

    Und wo 20er Öle hinführen, kann man zum Beispiel beim Chrysler 300C 5,7l Hemi erkennen. Der 5,7er hat werksseitig immer 5W-20 eingefüllt. Ein Öl nach Chryslernorm MS-irgendwas. Also nichtssagend. Das Sportmodell SRT8, mit einem leistungsgesteigerten Hemi ausgerüstet, mußte zwingend mit M1 0W-40 befüllt werden. Beim 5,7er traten in der Vergangenheit immer wieder Motorschäden auf, während sich das beim SRT in engen Grenzen hielt. Daher riet ich auch in meiner Kaufberatung für den 300C, von der Verwendung des 0w-20 im Hemi ab.
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